Aktuelle Meldungen

Jens Spahn referiert zur Corona-Krisenstrategie

Am 26. Februar nahm Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an einem Live-Chat des CDU-Landtagsabgeordneten Michael Wäschenbach teil, um über die Corona-Krisenstrategie der Bundesregierung und weitere Themen zu diskutieren. Dabei kam auch die vom FoKoS und der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen initiierte Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck zur Sprache.

Zu Beginn des virtuellen Diskussionsabends hielt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein Einführungsreferat zum Thema „Die Krise als Chance – wie wir eine gesellschafts- und gesundheitspolitische Extremsituation meistern können“. Darin beschäftigte er sich mit den derzeitigen Maßnahmen, dem Weg aus der Pandemie und den gesundheitsstrukturellen Perspektiven nach Corona.

Bevor die Teilnehmer*innen im Anschluss an den Vortrag Fragen stellen konnten, fand ein kurzer Austausch über die vom Forschungskolleg und der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen ins Leben gerufene Initiative Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck statt. Jens Spahn unterstützt die Digitale Modellregion seit seinem ersten Besuch am FoKoS im Mai 2019. Auch Gastgeber Michael Wäschenbach, Landtagsabgeordneter der CDU in Rheinland-Pfalz, setzt sich für das Projekt ein und besuchte kürzlich zum vierten Mal das FoKoS, um sich hier mit dem FoKoS-Geschäftsführer Dr. Olaf Gaus über die neuesten Entwicklungen auszutauschen.

Olaf Gaus adressierte den Bundesgesundheitsminister direkt mit den Worten: „Seit Ihrem Besuch im Mai 2019 sind wir hier im Dreiländereck viel enger zusammengerückt in den Fragen zur Digitalisierung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum. Gemeinsam mit den Landkreisen und Kommunen haben wir uns auf den Weg gemacht, Digitalisierungsprojekte durchzuführen. Durch die neue Gesetzgebung haben Sie noch einmal Geschwindigkeit in diese Themen gebracht. Mit der Gesetzgebung zur Digitalen Infrastruktur, mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz und mit dem bevorstehenden Digitale-Pflege-Gesetz sind wir ausgerüstet für einen intersektoralen Ansatz der gesundheitlichen Versorgung.“

Die Aufzeichnung des Livestreams können Sie auf Michael Wäschenbachs offizieller Facebook-Seite ansehen.

DigiDocs-Studie liefert erste Trends

Hohe Beteiligung am Forschungsprojekt zur Telemedizin

Lennestadt. Vor allem in ländlichen Regionen betreuen immer weniger niedergelassene Ärztinnen und Ärzte immer mehr Patientinnen und Patienten. Die Kombination von Telemedizin und Präsenzsprechstunde mit einer modernen Datenmedizin kann in der gesundheitlichen Versorgung für eine deutliche Entlastung der Ärzteschaft sorgen. Die Wissenschaftlerinnen der DigiDocs-Studie der Universität Siegen wollten wissen, unter welchen Voraussetzungen ein solcher Ansatz akzeptiert werden würde. Ende 2020 wurden Lennestädter und Kirchhundemer Bürgerinnen und Bürger befragt (wir berichteten). Die kooperierenden Hausärzte aus beiden Gemeinden konnten ihre Expertise durch Interviews einbringen. Die Ergebnisse fließen als Teilbestände in die laufende Studie „DigiDocs Lennestadt“ ein.

1300 Bürgerinnen und Bürger aus Lennestadt und direkter Umgebung nahmen an Umfrage teil

Die Verantwortlichen der Universität Siegen zeigten sich erfreut über die vergleichsweise hohe Beteiligung der Bevölkerung: mit über 1300 Bürgerinnen und Bürgern zeigte sich das große Interesse. Die Auswertung ist noch nicht gänzlich abgeschlossen (Frühjahr 2021), lässt aber bereits erkennen, dass man – Altersklassen übergreifend – offen und aufgeschlossen gegenüber telemedizinischen Anwendungen ist. Die Sorge, dass es in den kommenden Jahren zu wenig niedergelassene Ärzt*innen in Lennestadt und Umgebung geben wird, ist signifikant und ein wichtiges Ergebnis. Im nächsten Schritt werden die Patienten-Interviews in den kooperierenden Praxen durchgeführt.

Ärzteworkshops und Ärzteinterviews

Ein weiterer Baustein der Studie sind Ärzteworkshops mit kooperierenden Lennestädter und Kirchhundemer Arztpraxen. In der letzten Onlinerunde kurz vor Weihnachten wurden erste Trends aus den Interviews vorgestellt; in Kleingruppendiskussionen wurden Perspektiven diskutiert. Lennestadts Bürgermeister Tobias Puspas betonte die Bedeutung des Projekts aufgrund des bestehenden Handlungsbedarfes: „Es muss eine für alle Beteiligten gute und zukunftsfähige Lösung ergeben.“

In Gesprächen mit den ortsansässigen Praxen verschaffte sich das Forschungsteam einen Überblick über deren Größe, die Anzahl der Patienten pro Praxis, die Behandlungsquote sowie über die Aufgaben der Medizinischen Fachangestellten, die bereits als nicht-ärztliche Praxisangestellte (NäPas) bei Hausbesuchen im Einsatz sind.

Besonderes Vertrauensverhältnis in dieser Region

Regionalen Besonderheiten der Allgemeinmedizin im ländlichen Raum sehen die Interviewten im besonders vertrauensvollen und langjährigen Arzt-Patienten-Verhältnis. Die Bestandsaufnahme zeigt, dass bereits Arbeitsabläufe in den Praxen mit unterschiedlichen Schwerpunkten digitalisiert wurden. Gerade das konkrete, anwendungsbezogene Detail-Wissen über telemedizinische Technologien ist ein zeitaufwändiger Fortbildungsaspekt. Zur Einarbeitung mangelt es den niedergelassenen Ärzt*innen nicht nur an Zeit – da Behandlungen Vorrang haben – sondern auch daran, dass zu wenig Anreize geschaffen werden. Die Einbindung junger Mediziner*innen oder Medizinstudierenden mittels telemedizinischer Strukturen in den Praxisalltag wurde ebenso divers diskutiert, wie die Auswirkung telemedizinischer Kommunikation auf das Arzt-Patienten-Verhältnis. Die Zielgruppe, die für telemedizinische Behandlungsformen geeignet gehalten wird, reichte von immobilen Personen bis zur Gruppe der meist jungen, technikaffinen Personen. Ein großes Chancenpotential wird bei der Qualitätsverbesserung der Sprechstunde durch effiziente Betreuung und Behandlung gesehen. Als limitierender Faktor wurde wiederholt das knappe Zeitbudget genannt. Weitere Informationen: https://fokos.de/projekt/dmgd-digidocs/

„My DataHealth“: Projektantrag für den Innovationsfonds eingereicht

Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses hat erneut Förderungen für Projekte, die gezielte Impulse für die innovative Weiterentwicklung des Gesundheitswesens geben, ausgeschrieben. Gemeinsam mit weiteren Konsortialpartnern haben das Forschungskolleg und die Lebenswissenschaftliche Fakultät der Universität Siegen nun den Projektantrag „My DataHealth“ eingereicht.

Im Zuge der neuen Förderwelle haben das Forschungskolleg (FoKoS) und die Lebenswissenschaftliche Fakultät (LWF) der Universität Siegen in Kooperation mit mehreren Konsortialpartnern einen Projektantrag für das Themenfeld 5: „Komplexitätsreduktion administrativer Aufgaben in der Versorgung“ eingereicht. Projektleiter von My DataHealth ist Dr. Olaf Gaus (Geschäftsführer des FoKoS und Projektleiter der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck). Seitens der Universität Siegen soll das Vorhaben mit Expertenunterstützung von Prof. Dr. med. Veit Braun (Studienarzt), Prof. Dr. Rainer Brück (Expertise in medizinischer Informatik und Mikrosystementwurf), Prof. Dr. med. Nabeel Farhan (medizinisch-fachliche Unterstützung des Studienarztes) und Prof. Dr. Dr. h. c. Carl Friedrich Gethmann (Medizinethik) realisiert werden. Die wissenschaftlich-methodische Leitung des Projektes hat Prof. Dr. Dr. Bodo Vogt von der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg übernommen. Weitere Kooperationspartner für die Entwicklung der digitalen Plattform sind die Unternehmen Turbine Kreuzberg GmbH (Blockchain und dezentrale Technologien) und RED Medical Systems GmbH (Interoperabilität zwischen Leistungserbringern und Patienten).

Im Oktober 2020 veröffentlichte der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) drei neue Förderbekanntmachungen zur Versorgungsforschung. Bis zum 9. Februar konnten sich Interessierte mit Projektanträgen bewerben. Der G-BA fördert im Auftrag des Gesetzgebers mit den Mitteln des Innovationsfonds solche Projekte, die über die bisherige regelhafte Gesundheitsversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland hinausgehen und gezielte Impulse für die innovative Weiterentwicklung des Gesundheitswesens geben.

Im Vorfeld der Antragstellung fanden zwei konzeptionelle Vorbereitungsveranstaltungen statt: ein gemeinsamer Workshop mit der Sparkasse Siegen zur Blockchain-Technologie und ein Workshop zur geplanten digitalen, intersektoralen Gesundheitsplattform mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten der Stadt Sundern.

My DataHealth: Plattformbasierte Komplexitätsreduktion intersektoral-ländlicher Gesundheitsversorgung unter besonderer Betrachtung der Patientenautonomie

Im Projekt My DataHealth geht es um die Optimierung administrativer Prozesse in der intersektoralen Kommunikation. Dabei sollen Angebot und Nutzung der elektronischen Patientenakte in Verbindung mit dem Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) bei derzeit bestehenden Akzeptanz- und Sicherheitsbedenken unter intersektoraler Einbeziehung von Akteuren im Gesundheitswesen patientenzentriert entwickelt werden, sodass Kommunikations- und Transaktionsprozesse zur digital-administrativen Entlastung des Gesundheitssystems bei gleichzeitiger Verbesserung der Datenautonomie von Patient*innen führen.

Dieses Ziel soll im Zuge von My DataHealth in einem partizipativen Verfahren modellhaft erreicht werden, indem plattformgebundene, patientengeführte Gesundheitskonten entstehen (DataHealth Banking), die einerseits die Standards der Telematikinfrastruktur berücksichtigen (E-Health-Gesetz), andererseits durch die Integration einer Blockchain-Technologie die allgemeine Datensicherheit erhöhen.

Prozessoptimierung mit vielen Partnern am Beispiel der Stadt Sundern

Für die Durchführung des Projekts My DataHealth konnte die Stadt Sundern gewonnen werden, die zuvor bereits gemeinsam mit dem FoKoS und der LWF die Projektstudie „MeDiKuS – Betrachtung von Digitalisierungspotentialen in der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum am Beispiel der Stadt Sundern“ erarbeitet hatte. Aus den daraus entstandenen Handlungsempfehlungen wurde eine digitale Gesundheitsplattform hergeleitet, die mit Gesundheitskonten für Patient*innen unter Einbeziehung individueller Gesundheitsdaten eine intersektorale Kommunikation für Leistungserbringer in der Gesundheitsversorgung (Ärztinnen und Ärzte, Klinik, Pflege, Apotheke) zur Verfügung stellt. Das Vorhaben und die Stadt Sundern gehören zur der von FoKoS und LWF initiierten Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck.

Das Projekt wird von mehreren Kooperationspartnern begleitet. Diese nehmen regelmäßig an Workshops teil, geben Feedback zum Demonstrator und dessen Usability und unterstützen das Projekt in allen gesundheitlichen Fragen. Außerdem wirken sie mit an Interviews und Online-Befragungen zur Versorgungsforschung und Projektevaluation:

Dr. med. Gisbert Breuckmann, Facharzt für Allgemeinmedizin

Sauerland Internisten, Internistische Gemeinschaftspraxis Claudia Budden-Schmalor, Dr. med. Christina Darsow, Dr. med. Christoph Rother

Dr. med. Christoph Evers, Facharzt für Innere Medizin

Provita Gesellschaft für häusliche Krankenpflege mbH, Sandra Luckey (Leitung Palliativdienst)

Diakonie in Südwestfalen gGmbH, Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer

Burg-Apotheke Sundern, Inhaberin Carolin Stephani

Antonius-Apotheke, Inhaberin Monika Voss

Stadt Sundern, Bürgermeister Klaus Rainer Willeke

Entscheidung über Projektförderung fällt im Spätsommer

Der Innovationsausschuss wird voraussichtlich im 3. Quartal 2021 darüber entscheiden, welche Projekte finanziell gefördert werden können. Insgesamt sind im Rahmen der Ausschreibung 238 Anträge beim Gemeinsamen Bundesausschuss eingegangen – darunter drei Anträge für die Kategorie „Komplexitätsreduktion administrativer Aufgaben in der Versorgung“. Für die Förderrunde 2020 hatten das FoKoS und die LWF bereits eine Projektskizze eingereicht, die für die Erarbeitung eines Vollantrages empfohlen wurde.

Stefan Hundt begleitet Gesamtvorhaben Modellregion

Im Rahmen der Initiative „Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck“ berät Stefan Hundt ab sofort das Modellvorhaben mit Blick auf die weitere Projektentwicklung. Hundt übte von 2009 bis 2020 das Amt des Bürgermeisters in Lennestadt aus.

In der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck werden neben wissenschaftlichen auch wirtschaftliche und politische Themen angegangen, welche die Rahmenbedingungen der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum ausmachen. Diese Themen diskutieren innerhalb der DMGD neben zahlreichen Wissenschaftler*innen auch Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Für eine politische Projektbegleitung aus dem regionalen Raum ist es nun gelungen, den Bürgermeister a. D. Stefan Hundt aus Lennestadt zu gewinnen, der in der Initiative fortan beratend tätig sein und ihren weiteren Aus- und Aufbau unterstützen wird.

Zu einer ersten Kooperation zwischen den DMGD-Initiatoren (Forschungskolleg und Lebenswissenschaftliche Fakultät der Universität Siegen) und der Stadt Lennestadt sowie der dort ansässigen Hausärzteschaft kam es im Rahmen des laufenden Projekts DigiDocs Lennestadt. In diesem Projekt wird erörtert, wie ein überlokales digitalisiertes Praxis- und Behandlungskonzept für junge Mediziner*innen in Kombination von Telemedizin und Präsenzsprechstunde funktionieren kann. Mittlerweile zählt die DMGD bereits zehn Projektinitiativen. Bei der jüngsten Bürgermeisterwahl hatte sich Hundt nicht mehr aufstellen lassen. Er ist im Dreiländereck gut bekannt und wird sein Wissen und seine Kontakte nutzen, um die Projektideen einer digitalen Gesundheitsversorgung für die Zukunft zu unterstützen.

Stefan Hundt wurde 1958 in Drolshagen geboren. Nach seinem Abitur im Jahr 1978 machte er eine Ausbildung zum Diplom Verwaltungswirt. Danach war er Leiter des Stadtbauamtes Drolshagen, ehe er die Geschäftsführung des Stadtmarketings in Lennestadt übernommen hat. Währenddessen war er auch Geschäftsführer der Lennestädter Liegenschafts- und Stadtservice GmbH. Im Jahr 2009 wurde er dann zum Bürgermeister Lennestadts gewählt. Politisch war er bis 2009 Beigeordneter der Stadt Lennestadt. Seit 2009 war er Mitglied im Schulausschuss und Ausschuß für Stadtebau des NRW Städte- und Gemeindebundes, im Verwaltungsrat der Sparkasse ALK (Attendorn, Lennestadt, Kirchhundem) und bis heute in der Planungskommission des Regionalrates Arnsberg. Zudem war er seit 2009 Vorsitzender des Risikoausschusses/des Verwaltungsrates der Sparkasse ALK. Er leistet ehrenamtliche Arbeit in verschiedenen Vereinen und Einrichtungen. 

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