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Westerwald-Ausschuss für Soziales, Gleichstellung und Gesundheit diskutiert Kooperation mit der DMGD

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Bild: Vanessa Simon
Dr. Olaf Gaus referierte beim Westerwald-Ausschuss für Soziales, Gleichstellung und Gesundheit über patientenzentrierte intersektorale und interprofessionelle Konsile, die helfen, gesundheitliche Ressourcen mit digitaler Unterstützung effizient zu nutzen, um so einer Sicherung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum beizutragen.

Thema der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Gleichstellung und Gesundheit des Westerwaldkreises war die ärztliche Versorgung im Westerwald. Während der Online-Sitzung ist der vom Gremium eingeladene Referent, Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführer des Forschungskollegs (FoKoS) und Leiter der „Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck“ (DMGD) der Universität Siegen, auf die Frage des Ausschusses eingegangen: „Was kann der Kreis tun, damit die Situation der Allgemein- und Fachärzte verbessert werden kann?“. Zudem stellte Gaus die mögliche Studie „Digital HealthConnect“ vor, die im Rahmen des Modellvorhabens umgesetzt werden könnte.

Die hauptamtliche Erste Kreisbeigeordnete, Gabriele Wieland, motivierte Lösungsansätze, um dem vorhersehbaren Allgemein- und Fachärztemangel im Westerwaldkreis entgegen zu wirken. Der Kreistag diskutiert bereits seit längerem über Möglichkeiten, wie junge Medizinabsolventen an den Kreis gebunden werden könnten, denn das Durchschnittsalter der niedergelassenen Haus- und Fachärzte lässt befürchten, dass zwei Drittel der Sitze bereits in den nächsten fünf Jahren neu besetzt werden müssen. Dr. Olaf Gaus bestätigte, dass es die beste Lösung sei, wenn sich ausreichend Ärzte vor Ort ansiedeln würden. Bislang zeigten einschlägige Statistiken allerdings, dass urbane Zentren für Praxisansiedlungen bevorzugt würden. Zudem müsse man damit rechnen, dass sich die Berufsvorstellungen in der Medizin nachhaltig verändern, da immer mehr Frauen in den Arztberuf streben, die – anders als ihre männlichen Kollegen – häufiger Teilzeitbeschäftigungen anstreben, öfter ärztliche Angestelltenverhältnisse bevorzugen, was sich auf die Arzt-Patientenrelation auswirkt. In Zukunft muss damit gerechnet werden, dass diese Entwicklung mittelfristig zu Defiziten in der Gesundheitsversorgung auf dem Land führen könnte. Um dieser Problematik entgegenzuwirken entwickeln das Forschungskolleg und die Lebenswissenschaftliche Fakultät (LWF) der Universität Siegen wissenschaftliche Ansätze, die im Rahmen des Modellvorhabens „Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck“ (www.dmgd.de) in der Region umgesetzt werden sollen. Der Westerwaldkreis prüft derzeit Kooperationsmöglichkeiten mit der DMGD. Von dem länderübergreifenden Modellvorhaben, das die Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen einbezieht, können Synergieeffekte ausgelöst werden, die eine regionale Wertschöpfung in der gesundheitlichen Versorgung stärken. Derzeit zählt das Gesamtvorhaben 16 einzelne Projekte und Studienkonzepte, die jeweils gemeinsam mit einem Kreis oder einer Kommune im Dreiländereck durchgeführt oder diskutiert werden.

In der Forschungs- und Entwicklungsstudie „Digital HealthConnect“ soll herausgefunden werden, wie patientenzentrierte intersektorale und interprofessionelle Konsile zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum funktionieren können. „Dazu ist es wichtig, dass Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, Pflegeeinrichtungen und Apotheken vernetzt sind und gemeinsam ein virtuelles Konsil bilden. Entscheidend für das Konzept ist es, dass Patienten und Bürger im Hinblick auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen“, erläuterte Gaus und ergänzte, dass die darüber nutzbaren telemedizinzischen Dienste, wie z. B. eine überlokale medizinischen Videosprechstunde, die Ärzteschaft vor Ort entlastet und zugleich Mobilitätsprobleme der auf dem Land lebenden Patienten mindern könne. Die Patienten nehmen unterstützend ein Selbstmonitoring ihrer Vitaldaten vor, um die virtuelle Diagnose zu verbessern. Mit Hilfe einer Gesundheitsplattform könne jeder Patient ein eigenes Gesundheitskonto führen und die persönlichen, individuellen Daten für die verschiedenen Gesundheitsakteure freigeben. Das Konzept könnte innerhalb der auf ein Jahr veranschlagten Studie – beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Stadt Rennerod und dort ansässigen Akteuren im Gesundheitswesen, der Wirtschaft und Politik – erarbeitet werden, um im Anschluss die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen in einem dreijährigen Entwicklungsprojekt umzusetzen. Eine Kooperation mit der DMGD soll nachfolgend in den Kreisfraktionen diskutiert werden.

AutorIn: Vanessa Simon
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