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Eine erweiterte Perspektive zur globalen Energieversorgungs- und Klimapolitik: FoKoS-gefördertes Forschungsprojekt „GlobEN“ ist abgeschlossen

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Bild: Archiv FoKoS
Prof. Dr. Dr. h. c. Carl Friedrich Gethmann

Die mit Fördermitteln des FoKoS unterstützte, internationale und interdisziplinäre Projektgruppe „GlobEN“ setzte sich mit den globalen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander, die durch die Wechselwirkung zwischen Energiewende, Rohstoffbedarf und Klimaänderung entstehen. Die Fachzeitschrift Energiewirtschaftliche Tagesfragen („et“)  veröffentlichte kürzlich ein Interview mit Professor Dr. phil. Dr. h. c. Carl Friedrich Gethmann, Vorsitzendem der Projektgruppe, das einen Einblick in die Bedeutung und die Erkenntnisse der Studie ermöglicht. Die detaillierten Ergebnisse sind vor kurzem bei Springer Nature erschienen.

Zu den Kernzielen der Studie zählen die interdisziplinäre Erweiterung des Blickwinkels auf die Thematik, die Erarbeitung von Kriterien für die verantwortliche Auswahl von Energietechnologien und die Auseinandersetzung mit Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Das Gesamtergebnis ist ein – bis dahin fehlender – geschlossener Ansatz, der sowohl die global-vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Energie- und Klimapolitik, als auch nationalpolitisch-technologisch geprägte Fragestellungen berücksichtigt.

So erläutert Prof. Gethmann, dass das Problem einer sicheren und kostengünstigen Energieversorgung eines der „Kollektiven Handlungsprobleme von globalem Zuschnitt“ ist. Da ein Problem dieser Art nur unter Beteiligung vieler Disziplinen bearbeitet werden kann, hat sich die GlobEN-Projektgruppe aus philosophischer, politikwissenschaftlicher, technologischer, ökonomischer und klimatologischer Sicht mit der Thematik auseinandergesetzt. Dieser Ansatz macht deutlich, dass globale Wechselwirkungen in der national geprägten Energiepolitik in Deutschland und auch in europäischer Perspektive noch zu wenig beachtet werden. Eine geeignetere Grundlage wäre daher, auch bei nationalen energiepolitischen Entscheidungen die Vorstellungen einer längerfristigen globalen Entwicklung mit einzubeziehen.

„In der Studie wird in Anlehnung an ein Beurteilungsmodell des Paul Scherrer-Instituts der Schweiz herausgearbeitet, dass keine der heute bekannten und im Prinzip einsetzbaren Technologien den anderen in jeder Hinsicht überlegen ist.“, verdeutlicht Gethmann bezüglich der Frage nach den erarbeiteten Kriterien für die Auswahl von Energietechnologien. Daher sollte mit den Zielen der robusten Versorgungssicherheit und der Reduzierung von Überraschungen und Unsicherheiten weiterhin auf einen Mix aus verschiedenen Energieträgern gesetzt werden. In der dies bezogenen öffentlichen Debatte werden regionale Besonderheiten und kulturelle Rahmenbedingungen jedoch noch nicht genügend berücksichtigt.

Im Hinblick auf Aspekte der Verteilungsgerechtigkeit stellt Gethmann zunächst fest, dass es zwar bereits zahlreiche Konventionen gibt, die Fragen der Verteilungsgerechtigkeit zwischen Staaten implizieren – wie beispielsweise die Regeln des Kriegsrechts. Jedoch werden Fragen der Klimagerechtigkeit vermutlich erst durch die Klimadiskussion in einer solchen synchronen Perspektive explizit angesprochen und  somit bestehende Fragen der Verteilungsgerechtigkeit auf Staaten oder staatsähnliche Akteure übertragen. In jedem Fall ist für Gethmann klar, dass die kurzfristige Subsistenz-Sicherung von derzeitig fast 1,3 Mrd. Menschen ohne Zugang zu moderner Energiebereitstellung – auch im Angesicht von strategischen Ausrichtungen auf Langfristigkeit, Nachhaltigkeit und der Verantwortung für zukünftige Generationen – als das vordringlichste ethische Probleme betrachtet werden sollte.

Das gesamte Interview kann hier nachgelesen werden.

 

AutorIn: Linda Ivanova
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