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Podiumsdiskussion zu Gründungsaktivitäten in der Region

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Bild: Janine Taplan
Welche Rolle kann die Universität bei der Unterstützung regionaler Gründungsaktivitäten spielen?

Welche Rolle kann die Universität bei der Unterstützung regionaler Gründungsaktivitäten spielen? Darüber hat Prof. Dr. Volker Wulf, Prorektor für Digitales und Regionales an der Universität Siegen, mit Gästen aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert (15.09.20). „Wie können wir es schaffen, dass neue, interessante Unternehmen hier in der Region entstehen?“, fragte Wulf gleich zu Beginn der Veranstaltung in die Runde der TeilnehmerInnen auf dem Podium.

Die Veranstaltung fand aufgrund der Corona-Pandemie als Hybridformat statt, die DiskutantInnen trafen sich vor Ort im Forschungskolleg (FoKoS) der Universität Siegen. Bürgerinnen und Bürger konnten die Diskussion online verfolgen und Fragen stellen. Mehr als 50 ZuschauerInnen aus der Region und darüber hinaus hatten sich angemeldet.

Die beiden Gründer Uwe Latsch und Sabine Ullrich berichteten von ihren Erfahrungen. Latsch hat das automatisierte Car-Sharing erfunden und ist Gründer und CTO der INVERS GmbH. Er berichtete anschaulich von den Anfangsjahren seiner Firma, die im Jahr 1993 gegründet wurde. Dabei betonte er, dass der Erfolg der Gründung stark von regionalen Faktoren beeinflusst war. Neben persönlichen Netzwerken und Kontakten spielte auch die Forschungstransferstelle der Universität Siegen eine wichtige Rolle. Sie habe Kontakte hergestellt und dadurch seien auch die ersten Kunden gekommen.

Sabine Ullrich verfolgt mit Ihrer Initiative einen anderen Ansatz. Sie betreibt die Internetplattform driewes – herumtreiben in der Region, auf der sie die einzigartigen und spannenden Seiten der Region darstellen möchte. „Ich wollte mehr von Siegen zeigen, als dass das Wetter schlecht ist und Köln und Frankfurt in der Nähe sind“, sagte sie während der Diskussion. Zudem plädierte sie dafür, junge Leute aktiv zu ermutigen erste Gründungsideen auch tatsächlich umzusetzen. Bei ihr habe es nach dem Studium zehn Jahre gedauert, bis sie sich getraut habe, eine eigene Firma zu gründen.

Von einem Zuschauer kam die Frage, welche Unterstützung sich die beiden GründerInnen gewünscht hätten, die sie aber nicht bekommen haben. Uwe Latsch hätte insbesondere in den ersten Gründungsjahren kostengünstige Hilfe bei Tätigkeiten brauchen können, die nicht zum Kern seiner Arbeit gehören, wie etwa Buchhaltung oder Finanzen. Sabine Ullrich sagte, sie hätte sich gewünscht, dass es damals schon einen Pop-Up-Store gegeben hätte, wie ihn das 2019 eröffnete Gründerwerk der Sparkasse Siegen in der Oberstadt anbietet. Hier haben GründerInnen die Chance, ihre Produkte und Dienstleistungen zeitlich befristet zu testen, sich mit anderen Gründern zu vernetzen und Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. „Das wäre für mich als junge Frau attraktiv gewesen“, sagte sie.

Burkhard Braach ist Vorstandsmitglied der Sparkasse Siegen und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Gründerinitiative „Startpunkt57“. Er berichtete, welche Unterstützung es für Gründer in der Region bereits gibt. Dabei verwies er zum Beispiel auf den sparkasseneigenen Siegerlandfonds, der bereits seit 1983 Risikokapital für besonders innovative Gründungsvorhaben zur Verfügung stellt. Der Siegerlandfonds sei die älteste Kapitalbeteiligungsgesellschaft einer deutschen Sparkasse. Er betonte auch die wichtige Arbeit der Gründerinitiative „Startpunkt57“, die gemeinsam mit mehreren Partnerorganisationen im Herbst 2020 in ein Haus der Innovation und Gründung in der Siegener Innenstadt ziehen wird. „GründerInnen können in vielfältiger Weise von den geplanten Aktivitäten in diesem Haus profitieren. Deshalb wollen wir dieses Vorhaben gemeinsam mit anderen AkteurInnen aus der Region unterstützen“, sagte er.

Prof. Dr. Giuseppe Strina hat den Lehrstuhl für Dienstleistungsentwicklung in KMU und Handwerk an der Universität Siegen inne und leitet das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte VentUS-Projekt, bei dem es darum geht, die Gründungsaktivitäten aus der Universität Siegen heraus zu verbessern. Er wies in der Diskussion darauf hin, dass eine gute Entrepreneurship-Ausbildung eine zentrale Rolle spielt. Zudem sollten junge Menschen nicht erst an der Universität für das Thema Gründungen sensibilisiert werden. Er sprach sich dafür aus, das Fach Wirtschaft praxisorientiert schon in der Schule zu unterrichten und so auch SchülerInnen auf das Thema aufmerksam zu machen. Darüber hinaus betonte er die Wichtigkeit einer vertrauensvollen regionalen Zusammenarbeit in der Region: „Die erfolgreiche Gründung neuer, interessanter Unternehmen kann nur gelingen, wenn alle relevanten AkteurInnen aus der Region an einem Strang ziehen.“

Innovative GründerInnen müssten mehr mit bereits bestehenden Unternehmen in Kontakt kommen, damit beide Seiten voneinander profitieren können, stellte der Geschäftsstellenleiter des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Siegen fest, Dr. Muhamed Kudic. Das Kompetenzzentrum unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung. „Nur so können Synergieeffekte realisiert werden“, bekräftigte er. Kudic moderierte die Veranstaltung zusammen mit Prof. Dr. Volker Wulf.

AutorIn: Sonja Riedel
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