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DigiDocs Lennestadt: Erster Ärzteworkshop läutet neues FoKoS-Projekt ein

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Bild: S. Müller
Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt betont zu Beginn des Ärzteworkshops das gemeinsame Projektziel, welches sich nicht im Theoretischen verliert, sondern im Ergebnis einen lokalen und praktischen Bezug hat.

Gemeinsam mit Lennestadt, den dort niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinstudierenden aus Nordrhein-Westfalen entwickelt das FoKoS seit August ein überlokales digitalisiertes Praxis- und Behandlungskonzept für junge Medizinerinnen und Mediziner. Den Auftakt des Projekts bildete ein Ärzteworkshop am 19.08.2020.

Im FoKoS-Projekt DigiDocs wird seit Anfang August in Kooperation mit Lennestadt und den dort angesiedelten Hausärzt*innen erörtert, wie sich Telemedizin als Praxismodell für den ländlichen Raum umsetzen lässt. Die Lennestädter Hausärztinnen und Hausärzte sollen dabei durch eine Kombination aus Telemedizin und Präsenzsprechstunde wirkungsvoll unterstützt und entlastet werden. Anlass für die Studie ist der sich abzeichnende Hausärztemangel, der insbesondere ländliche Regionen vor eine große Herausforderung stellt.

Für Gesundheitsexpert*innen steht fest, dass die telemedizinische Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum als unterstützende Maßnahme unerlässlich sein wird. Wie genau sie ausgestaltet werden könnte, wurde nun beim ersten von insgesamt vier geplanten Ärzteworkshops im Projekt DigiDocs diskutiert. Im Raum standen dabei die Fragen, welche Behandlungsformen sich durch telemedizinische Untersuchungen konkret umsetzen lassen, welche digitalen Kompetenzen sowohl Mediziner*innen als auch Patient*innen hierfür benötigen und welche digital gestützten, entlastenden Delegationsmodelle denkbar sind.

Lennestadt als starker Projektpartner

„Dieser Workshop ist ein ganz wichtiger Schritt, um die bisher in Lennestadt besprochenen Dinge wissenschaftlich begleitet umsetzen zu können“, erklärte Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt zu Beginn der Veranstaltung. „Es soll eine praxisbezogene, praktikable Lösung entwickelt werden, die für unsere Situation in Lennestadt passt, aber auch in andere Regionen übertragbar ist – also ein Pilotprojekt darstellt.“

Lennestadt bietet sich als Projektpartner besonders an, da es hier ein breites Gesundheitsangebot und ein städtisches Hospital mit sechs unterschiedlichen Fachabteilungen gibt, sodass viele Anknüpfungspunkte für innovative digitale Ansätze existieren. Zugleich kündigt sich jedoch auch in Lennestadt ein Mangel an Allgemeinmediziner*innen an. Das medizinische Angebot konzentriert sich zudem auf die größeren Stadtteile, sodass Bürger*innen teilweise weite Wege auf sich nehmen müssen, um einen Arzttermin wahrnehmen zu können.

„Die Zusammenarbeit mit dem FoKoS kam wie gerufen“, so Bürgermeister Stefan Hundt. „Die ärztliche Versorgung ist ein Thema, das uns in Lennestadt schon länger beschäftigt. Das FoKoS zeigt uns einen neuen Weg auf, der genau in unser System passt und substanziell, inhaltlich überzeugend und differenziert ist. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass das Projekt sich nicht im Theoretischen verliert, sondern im Ergebnis einen lokalen und praktischen Bezug hat. DigiDocs ist deshalb ein Projekt, das in ganz besonderer Weise zukunftsweisend ist und so auch von unseren Hausärzten akzeptiert wird.“

Videosprechstunden ermöglichen mehr Flexibilität

Ein Beispiel für telemedizinische Verfahren bietet die Videosprechstunde, die aktuell vor allem angesichts des Coronavirus an Bedeutung gewinnt. COVID-19 zeigt auf, wie wichtig die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist, denn über Videosprechstunden lassen sich etwa Ansteckungen und Infektionen im Wartezimmer vermeiden. Videosprechstunden gehen außerdem mit kürzeren Wartezeiten auf einen Termin, einem geringeren Zeit- und Kostenaufwand für die Anreise und einer terminlichen und örtlichen Flexibilität sowohl für Patient*innen als auch für Ärzt*innen einher.

Da ihr Fokus eher auf der Anamneseerhebung und Befragung der Patient*innen liegt, können nicht alle Behandlungsformen über die Videosprechstunde umgesetzt werden. Wie viele andere digitale Versorgungsmethoden lässt sie sich aber additiv einsetzen. „Die Videosprechstunde wird gerade für Patienten, die nicht mobil sind, von großem Vorteil sein“, stellte Dr. med. Andreas Umlauf fest.

DigiDocs zeigt, wie die Gesundheitsversorgung künftig aussehen könnte

Auch für die Delegation an sogenannte NäPas, Nicht-ärztliche Praxisassistent*innen, die assistive ärztliche Tätigkeiten und Hausbesuche zur Entlastung von Hausärzt*innen durchführen, können Videogespräche eine wertvolle Hilfe darstellen. Im FoKoS-Projekt DigiDocs soll erörtert werden, wie diese und andere digitale Anwendungen gewinnbringend zum Einsatz gebracht werden können. „Das Projekt DigiDocs schafft Klarheit über die verschiedenen telemedizinischen Anwendungen und hilft mir dabei, besser abwägen zu können, ob die Telemedizin mir etwas bringt, wie ich sie einbinden kann und was eigentlich machbar ist“, so Umlauf.

Auch für den in Lennestadt praktizierenden Arzt Dr. med. Roger Dietz stellt DigiDocs eine Bereicherung dar: „Die Zusammenarbeit mit dem FoKoS ist für mich eine tolle Überraschung in meinem Beruf. Hierdurch kann ich ohne großen Aufwand die Entwicklung der Telemedizin und deren Umsetzung in meinem Praxisalltag mitverfolgen, nutzen und mitentwickeln.“

Vier Ärzteworkshops werden das Projekt über die einjährige Laufzeit der Studie begleiten und die medizinisch-technische Durchführbarkeit sicherstellen. Auch Experteninterviews mit in Lennestadt ansässigen Ärzt*innen sollen stattfinden. Darüber hinaus sind Befragungen von Patient*innen, Kommunen und Medizinstudierenden Teil des Forschungsvorhabens.

AutorIn: F. Walsdorff
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