„Die Zukunft gehört dem urbanen Quartier“ – Sammelband zur diversen und inklusiven Stadtentwicklung erschienen

„Die Zukunft gehört dem urbanen Quartier“ – Sammelband zur diversen und inklusiven Stadtentwicklung erschienen

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In ihrem neuen Buch gehen Nina Berding und Wolf-Dietrich Bukow der Frage nach, wie Städte in Zeiten des demografischen Wandels sowie verstärkter Mobilität und Digitalisierung gestaltet werden müssen, um Menschen durch urbane Räume eine bestmögliche Versorgung und eine hohe Lebensqualität zu gewährleisten. Für die Autoren gehört die Zukunft dem urbanen Quartier – auch in Krisenzeiten.

Urbanität ist längst zu einem weltweiten Narrativ geworden und motiviert die Menschen mehr und mehr, auf urbanes Zusammenleben und die damit erhofften neuen Möglichkeiten zu setzen. Das Narrativ verspricht die Verknüpfung von Arbeiten, Wohnen und Versorgung in einem praktikablen, alltagstauglichen und überschaubaren Lebensumfeld.

Dr. Nina Berding (Postdoktorandin am Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung der RWTH Aachen) und Prof. Dr. Wolf-Dietrich Bukow (Fellow des Forschungskollegs Siegen) haben nun einen Sammelband herausgegeben, in dessen Zentrum das Quartier und die Stadt der kurzen Wege stehen. In „Die Zukunft gehört dem urbanen Quartier – Das Quartier als eine alles umfassende kleinste Einheit von Stadtgesellschaft“ beschäftigten mehrere Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen sich mit den Chancen einer diversen und inklusiven Stadtentwicklung.

„Immer mehr Menschen unterschiedlichster Herkunft und Schicht sind motiviert, sich in einem für sie überschaubaren urbanen Raum niederzulassen“, erklärt Wolf-Dietrich Bukow. „Stets geht es darum, seine Lebenssituation mit Blick auf Arbeiten, Wohnen und urbane Infrastruktur nachhaltig zu verbessern. Allerdings gibt es dafür viel zu wenig geeignete erschwingliche, funktional und soziokulturell gemischte, überschaubare und nachhaltig ausgerichtete Quartiere. Die Förderung solcher Quartiere der kurzen Wege wäre eine optimale Chance für eine das Zusammenleben fördernde, ökologische geprägte und zukunftsorientierte Entwicklungspolitik.“

Prof. Dr. Wolf-Dietrich Bukow

Am Forschungskolleg der Universität Siegen forschte Wolf-Dietrich Bukow als Seniorprofessor lange zur nachhaltigen und inklusiven Stadtentwicklung. Während Untersuchungen von Meinungsforschungsinstituten eher auf den abnehmenden Zusammenhalt in Städten hinwiesen, fasste Bukow schon früh das Quartier in den Blick, in dem sich ein anderer Trend beobachten ließ. Quartiere sind überschaubare, flexible und selbstbewusste urbane Räume, in denen die funktionale und soziokulturelle Verdichtung immer neu akzentuiert und Responsibilität gefördert wird.

Die Besonderheiten des urbanen Quartiers werden in Zeiten von Corona stärker diskutiert und zunehmend auch medial aufgegriffen. So berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger kürzlich etwa von der Wiedergeburt der Veedel. In den Kölner Stadtvierteln („Veedel“) rückt man nun zusammen und zeigt Solidarität, Nachbarschaft erlebt hier eine Renaissance.

Auch Wolf-Dietrich Bukow stellt fest, dass sich der Alltag in den Städten angesichts der aktuellen Situation verändert. Das Quartier bietet seinen Bewohnern mit seinen kurzen Wegen dabei Vorteile: „Das funktional dichte und gemischte Quartier bietet mit seiner überschaubaren Struktur eine günstige Basis gerade auch für ein Zusammenleben unter schwierigen Bedingungen, wie wir sie zur Zeit alle erleben.

„Zum einen sind solche Quartiere schon immer Orte wohlwollend distanzierten Zusammenlebens. Deshalb gibt es hier häufig eine ausgeprägte Zivilgesellschaft. Man kennt sich und kann sich gegebenenfalls unterstützen. Zum anderen gibt es in solchen Quartieren häufig kurze Wege, die in so einem Fall besonders wichtig sind: Sie ermöglichen eine Versorgung in der Nähe und reduzieren die Zahl problematischer Begegnungen.“

„Die Zukunft gehört dem urbanen Quartier“ erschien im Februar 2020 bei Springer VS. Weitere Informationen zu dem Sammelband finden Sie hier.

AutorIn: Finja Walsdorff
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