FoKoS-Projekt KOBoLD untersucht die Digitalisierung öffentlicher Verwaltungen

FoKoS-Projekt KOBoLD untersucht die Digitalisierung öffentlicher Verwaltungen

KOBoLD, News

Das am Forschungskolleg Siegen (FoKoS) angesiedelte Projekt KOBoLD möchte das Entscheidungsverhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der öffentlichen Verwaltung bei der Anwendung von IT erklären. In Kooperation mit der Stadt Bad Berleburg entsteht dabei eine Studie, deren Ergebnisse den zukunftsorientierten Diskurs in öffentlichen Verwaltungen über kommunale Grenzen hinaus beleben sollen.

Die Digitalisierung verändert die Arbeits- und Organisationsweise öffentlicher Verwaltungen: Die Anwendung von Informationstechnologien (IT) ermöglicht es, effektiv auf Bürgeranfragen zu reagieren und die Servicequalität und Datensicherheit aufrechtzuerhalten oder sogar zu erhöhen. Gleichzeitig können mit dem Einsatz von IT Zeitersparnis, Fehlerreduktion und die Verschlankung interner Prozesse einhergehen. Wird IT in öffentlichen Verwaltungen verstärkt genutzt, entstehen modifizierte Bedarfe nach (IT-)Kompetenz und neue Rollenbilder. Die Haltung gegenüber der Digitalisierung ist dabei von besonderer Relevanz. Das Projekt KOBoLD (Kompetenzoffensive Bad Berleburg Digital) setzt hier an und möchte das Entscheidungsverhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der öffentlichen Verwaltung bei der Anwendung von IT erklären.

Bei KOBoLD handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Stadt Bad Berleburg und dem Forschungskolleg Siegen (FoKoS), die die Beschäftigten öffentlicher Verwaltungen in den Analysefokus rückt. „Im Rahmen der Kooperation mit Bad Berleburg im FoKoS-Projekt BLB.digital stellte sich heraus, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unbedingt mitgedacht werden müssen, da sich nicht nur die Kommune an sich, sondern die täglichen Arbeitsabläufe durch den digitalen Wandel maßgeblich verändern“, beschreibt FoKoS-Mitarbeiterin Frederike Oschinsky. „Wir begegneten teils Skepsis, teils Ängsten, teils Widerständen. Ich fragte mich schnell, wie diese zustande kommen, obwohl der Einsatz digitaler Technologien objektiv betrachtet große Vorteile bringen kann.“

Die Kompetenzoffensive Bad Berleburg Digital wird seitens der Stadt Bad Berleburg maßgeblich von Bürgermeister Bernd Fuhrmann unterstützt und durch die Stabsstelle Regionalentwicklung unter Colette Siebert begleitet. Das Nationale E-Government Kompetenzzentrum (NEGZ) fördert das Projekt, welches an grundlegende Arbeiten der Entscheidungsforschung anknüpft, aus denen hervorgeht, dass viele Menschen die verfügbaren Geräte und Applikationen trotz des hohen Mehrwerts digitaler Technologien nur eingeschränkt nutzen und ihnen mit Skepsis oder sogar Angst begegnen. Die Erklärungswirksamkeit der gängigen Akzeptanzmodelle und der damit verbundenen Theorien stößt angesichts aktueller Entwicklungen allerdings an ihre Grenzen.

Im Projekt KOBoLD soll eine ganzheitliche Sicht auf die Technologieakzeptanz und die Verwendungsabsichten von Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern gewonnen werden. Basierend auf etablierten Akzeptanztheorien und neuen Befunden der Psychologie und Neurowissenschaft wird eine dreistufige Mixed-Methods-Studie (bestehend aus qualitativer Vorstudie, Testlauf und quantitativer Fragebogenstudie) durchgeführt, um ein integriertes Modell auf der Grundlage der „Status Quo Bias“-Perspektive zu entwickeln. Angeboten wird dabei auch ein Workshop, der analog und digital besucht werden kann. Er soll die Ergebnisse der Studie in die Praxis übertragen, Rückschlüsse auf neue Stellenprofile in der öffentlichen Verwaltung ermöglichen und das neue Rollenverständnis von Führungskräften formen und stärken.

Wie sehen die nächsten Schritte aus? „Nachdem wir im ersten Projektmonat den Stand der Forschung aufgearbeitet und eine erste Version des Fragebogens erstellt haben, werden wir in der der Kommune Ende Oktober zwei Themen reflektieren“, erklärt Frederike Oschinsky. „Einerseits möchten wir die Umfrage durch ein realistisches Szenario einleiten, in dem eine digitale Technologie genutzt wird und das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt abholt. Andererseits streben wir einen Testlauf des Fragebogens an. Wir kommen gut voran, da die Stadt Bad Berleburg sich stets aktiv einbringt.“

Die Befunde der Kurzstudie werden in einer Hochglanzstudie zusammengefasst und der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt. Aufbauend auf die Studie soll nach der Projektphase ein praktischer Leitfaden zur zukünftigen Aus-, Fort- und Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausgearbeitet werden, der den zukunftsorientierten Diskurs in öffentlichen Verwaltungen beleben soll. Obwohl das Hauptaugenmerk der Studie auf der Stadt Bad Berleburg liegt, werden die Ergebnisse für alle Kommunen verfügbar gemacht, sodass Menschen über kommunale Grenzen hinweg von den Handlungsempfehlungen profitieren können.

 

Text: Finja Walsdorff

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